INGE MAHN

im KABINETT LÜTZE

14.03.20-30.08.20

Inge Mahn, Sitz auf Sitz auf Sitz, 1991, Sammlung LÜTZE, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Benjamin Knoblauch.

Inge Mahns Werke basieren auf Alltagsobjekten und architektonischen Grundkonstanten. Durch Rohmodellierung übersetzt sie diese in ihre eigene Form und kontextualisiert sie neu. Dabei befragt die Bildhauerin die Ordnung hinter den Dingen und das subversive Moment.

In ihren oft fragilen Konstruktionen spielt Mahn immer mit einem Moment des Komischen. Ihr Sitz auf Sitz auf Sitz von 1991 besteht aus vier Objekten, davon drei Zick-Zack-Elementen in unterschiedlicher Größe, die auf einem Kubus übereinandergestapelt werden, einen Sitz ergeben. Zwar greifen in dem zerbrechlichen Konstrukt die unterschiedlich großen Teile ineinander, jedoch widersetzen sich die verschiedenen Winkel und die unebene-raue Oberfläche der harmonischen Stapelung der drei Sitzelemente. Mehrere Unikate verbinden sich zu einer Plastik, die sich an das mittelalterliche Thema der Anna Selbdritt anlehnt. Die Säcke bestehen wie die Sitze ebenfalls aus unterschiedlichen Größen und dem Material Gips. Dabei sind die Säcke, die eigentlich für einen Inhalt geschaffen sind, leer. Sie suggerieren eine Fassungskraft, die allerdings ohne Inhalt ist, übrig bleibt die leere Form im Raum. Bei der Säule mit Rucksack spielt Mahn ebenfalls mit der Funktion eines Gegenstandes. Eine Säule ist eine Trägerelement in der Architektur, hier trägt sie lediglich einen Rucksack. Der Gegenstand löst sich also von der Funktion, aus einem Objekt wird ein Subjekt oder umgekehrt. Es geht um einen Austausch der Funktion und der Form, denn nichts ist so, wie es eigentlich zu sein hätte. Die Rollen der Objekte sind sinnentleert oder einem neuen, assoziativen Gedanken zugeordnet.

Inge Mahn (*1943 in Teschen, lebt und arbeitet in Berlin und Groß Fredenwalde) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und war Meisterschülerin von Joseph Beuys. Sie war von 1987-1993 Professorin für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und von 1993-2009 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Sie war Teilnehmerin der Documenta 5 und ist seit den 1970er Jahren mit Einzel- und Gruppenausstellungen in renommierten nationalen und internationalen Museen vertreten, unter anderem im PS1, Institute for Art and Urban Resource in New York, Lenbachhaus München im Hamburger Bahnhof in Berlin oder im Kunstmuseum Reykjavik.

Kuratiert von

Madeleine Frey und Sebastian Schmitt