RITUAL

Baptiste Brossard, Helen Dowling, Sara-Lena Maierhofer

09.10.21-29.05.22

Key Visual RITUAL; Gestaltung: Matter Of

Key Visual RITUAL; Gestaltung: Matter Of

Eröffnung am 08.10.2021, 19:00 Uhr
Weitere Informationen finden Sie hier: Rahmenprogramm

Während der Pandemie mussten die Menschen von vielen alltäglichen Ritualen buchstäblich Abstand nehmen. Angefangen von Großveranstaltungen und dem Bad in der Menge bis hin zu kleinen und doch wichtigen Gesten wie dem persönlichen Handschlag zur Begrüßung. Durch den Wegfall vieler sozialer Interaktionen wurde erst deutlich, wie wichtig diese für ein gesellschaftliches Miteinander sind und wie Rituale unseren Alltag prägen und erleichtern. Die Gruppenausstellung RITUAL mit den Künstler*innen Baptiste Brossard, Helen Dowling und Sara-Lena Maierhofer greift dieses Thema auf und diskutiert den gesellschaftlichen Konsens von Ritualen und erweitert diesen in Hinblick auf andere Kulturen. Alle drei Kunstschaffenden nutzen hierzu zeitbasierte Medien, wie Video oder Fotografie. Diese verdeutlichen durch ihren ephemeren Charakter, wie neue Rituale entstehen können und letztendlich auch wie veränderbar und verletzlich sie sind.

Künstler*innen:

Baptiste Brossard (*1994 in Toulouse, Frankreich, lebt und arbeitet in Paris und Lit-et-Mixe, Frankreich) arbeitet als Bildhauer und Filmessayist. Er interessiert sich in seiner künstlerischen Praxis für eingeübte kollektive Aufführungspraktiken und Inszenierungen. So setzt er Szenen von deutschen Karnevalszügen neben militärische Paraden, Szenen von Modeschauen neben militärische Kampfübungen. Die Bilder in seinen Videoarbeiten wirken collagiert und suggerieren ein Gefühl vertrauter Mediennutzung und hinterlassen zugleich ein Gefühl des Unbehagens. Seine filmischen Essays zeigen auf, wie sich durch eingeübte Rituale und Muster ein Zugehörigkeitsgefühl generieren lässt und sich das Individuum somit selbst in der Gemeinschaft verorten kann.

Brossard studierte Bildende Kunst an der École nationale supérieure des beaux-arts in Lyon und schloss sein Studium mit Auszeichnung ab. Er zeigte seine Arbeiten u.a. an der Cité internationale des arts und im Palais de Tokyo. 2018 erhielt er ein Arbeitsstipendium in Stuttgart im Rahmen des Austauschprogramms zwischen der Region Auvergne-Rhône-Alpes und dem Land Baden-Württemberg in Kooperation mit art3.

Helen Dowling (*1982 in Windsor, Großbritannien, lebt und arbeitet in Brüssel, Belgien und in Delft, Niederlande) arbeitet in einer multidisziplinären Praxis, die sich mit der Fähigkeit beschäftigt, Empathie und Emotionen durch das Medium Video zu übertragen. In ihren Videos stellt sie Fotografien und Objekte, grundlegende Elemente wie Rhythmus, Farbe und Klang nebeneinander, um die Betrachter*innen durch eine Abfolge von Empfindungen zu führen, die sich aufeinander beziehen und aufeinander aufbauen. Sie fasst Rituale als ständige Wiederholung auf und analysiert die menschliche Existenz in ihren wesentlichsten Handlungen, bei denen Vertrautheit durch Wiederholung erzeugt wird. Aus einer Vielzahl von gefundenen, heruntergeladenen und selbst gefilmten Bildern schafft sie Videoarbeiten, die halluzinatorisch wirken und die Betrachter*innen auf eine visuelle Reise schicken.

Dowling erhielt ihren BA am Goldsmiths College in London und ihren MA an der Slade School of Fine Art in London und nahm an einem zweijährigen Aufenthalt an der Rijksakademie van beeldende kunsten, Amsterdam teil. Zu ihren jüngsten Ausstellungen gehören „Something for the Ivory “ als Teil des Rose Residency Programme de MAMbo – Museum of Modern Art of Bologna, „Open Skies“ im Wiels – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Brüssel, „Spatial Bias“ im Lesage, Brüssel und das „UHF Straight-To-Video Film Fest“, Antwerpen. Ihr Video The Queen of Lemons gewann 2020 den Loop Acquisition Award.

Ihr aktuelles Forschungsprojekt befasst sich mit Auftragspornografie und untersucht, wie deren Produktionsstrukturen in den Bereich der Videokunst integriert werden können, indem die Handlungen in neue, divergierende Erzählungen umgewandelt werden.

Sara-Lena Maierhofer (*1982 in Freudenstadt, lebt und arbeitet in Berlin) nutzt hauptsächlich Fotografie und Archivmaterial zur Befragung und Erforschung von Vergangenheit und Gegenwart, von Erinnerung und Identität. Sie geht Fragen zu Dekolonialisierung, Restitution und Erinnerungskultur nach und nutzt die Fotografie als Instrument der Macht. Sie entlarvt dabei unseren westlichen Blick auf die Rituale anderer Kulturen, indem sie das System der „kolonialen Sammelwut“ – wie sie es selbst nennt – aufzeigt.

Maierhofer schloss 2011 ihr Studium der Fotografie und Medienkunst an der Fachhochschule Bielefeld ab. Ihre Arbeiten wurden im Museum für Fotografie, Berlin, FOAM Museum for Photography, Amsterdam, Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe, C/O Berlin und Deichtorhallen Hamburg ausgestellt und sind in mehreren ständigen Sammlungen vertreten. Sie wurde mit dem DZ Bank Projektstipendium für künstlerische Fotografie und dem Dokumentarfotografie Förderpreis der Wüstenrot Stiftung ausgezeichnet und erhielt Arbeitsstipendien der Stiftung Kunstfonds Bonn und der Kunststiftung Baden-Württemberg.

Kuratiert von Madeleine Frey

 

Die Ausstellung RITUAL wird gefördert durch:

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