TZUSOO

Schrödinger's Baby – SCHAUFENSTER JUNGE KUNST

14.03.20-30.08.20

TZUSOO, Selbstportrait, 2019, digitale Collage

Eröffnung: 13.03.2020

Mit ihrer Arbeit Schrödinger’s Baby bezieht sich TZUSOO auf das populäre Gedankenexperiment des österreichischen Physikers Erwin Schrödinger aus dem Jahr 1935. Schrödinger entwarf ein Szenario in dem eine Katze in eine Kiste mit einem instabilen Atomkern gesperrt wird, welcher potenziell zu strahlen beginnen könnte und infolge dessen Giftgas freisetzen könnte. Es kann jedoch nicht sicher eingeschätzt werden wann oder ob dies geschehen wird ohne die Kiste zu öffnen. Es entsteht ein Paradox, da die Katze nach Schrödinger in einen Zustand der Überlagerung gerate, der es unmöglich mache zu sagen ob diese tot oder lebendig sei. Dieses berühmte Paradox übersetzt die südkoreanische Künstlerin in ihre eigene Lebensrealität und erschafft ein digitales Baby im virtuellen Raum. Ausgehend von ihrer inneren Auseinandersetzung mit einer potenziellen Mutterschaft, kaufte sich TZUSOO das digitale Modell eines sich entwickelnden Embryos und führte dieses nach eigenen Vorstellungen weiter. Hierbei steht es ihr frei, das Geschlecht, die Hautfarbe und weitere andere Merkmale zu bestimmen oder aber auf Spezifikationen zu verzichten, um stereotypische Zuschreibungen zu vermeiden. TZUSOO diskutiert somit in Schrödinger’s Baby Kernaspekte ihres Wirkens wie die Auseinandersetzung mit Geschlecht und Herkunft und die sich auch aus ihren persönlichen Erfahrungen als südkoreanische Künstlerin in Europa speisen. TZUSOO selbst Digital Native, nutzt für ihre Arbeiten häufig Virtual-Technologie Anwendungen und schafft Avatare die in traumhaft anmutenden Umgebungen zwischen Trümmerlandschaft und Hyperrealität changieren. Dieser Gegensatz von Utopie und Dystopie kann auch auf die allumfassende Digitalisierung und deren Entwicklung bezogen werden. Die Zukunft ist nicht vorstellbar und es lässt sich nicht absehen wie sich die Fortentwicklung künstlicher Intelligenz vollziehen wird und welche ethischen Fragestellungen wir im Zuge dieses transhumanen Diskurses zu erörtern haben werden. Was bringt beispielsweise die Möglichkeit digitaler Leihmutterschaft mit sich und welche Verantwortung haben wir für die Avatare die wir schaffen oder diese gar sie für uns? Aus TZUSOOS Arbeiten ergeben sich viele Fragen, die mit der aktuellen Unsicherheit der rasanten digitalen Entwicklung zusammenhängen. Das Ende des linearen Fortschrittsgedankens hat sich längst eingestellt und wir befinden uns in einer Welt der exponentiellen digitalen Entwicklung. Das Experiment ist somit längst angelaufen und die Menschheit ist in einer digitalen Welt mit Fragen konfrontiert, die erst beantwortet werden können wenn die Zukunft Gegenwart geworden ist und die Kiste geöffnet worden ist.

Kuratiert von Sebastian Schmitt

 

TZUSOO (*1992 in Seoul, lebt und arbeitet in Stuttgart und Seoul) studierte Bildende Kunst und Kunstwissenschaft am Art College of Hong-ik University in Seoul und seit 2017 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Christian Jankowski. Die Künstlerin experimentiert in ihrer Arbeit mit Grenzverschiebungen, indem sie Realität und Nicht-Realität von Objekten virtuell zusammenführt. Die Hauptthemen ihrer Arbeit sind die vertiefte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Minderheiten, Arbeitsverhältnissen im digitalen Zeitalter, Sexualität und Gender. Laut TZUSOO verbinden ihre Arbeiten immer ein gesellschaftspolitisches Kernanliegen und ein mit ihren eigenen Erfahrungen und Erlebnissen. TZUSOO war bereits in Gruppenausstellungen im Museum Folkwang in Essen (2017), im Künstlerhaus Stuttgart (2018), auf der 4th Youth Biennale in Bolzano Italien (2018), im E-Werk SAAL in Freiburg (2019) und in der Gallery Damdam in der Botschaft der Republik Korea in Berlin (2019) zu sehen. Die Künstlerin war von 2011 bis 2017 Stipendiatin der Korea Student AID Foundation, war Artist in Residence im V2_Lab X Art Centre Nabi in Rotterdam und wurde 2019 mit dem DAAD Preis geehrt.

Die Ausstellungen im SCHAUFENSTER JUNGE KUNST werden durch die Helmut-Fischer Stiftung unterstützt: